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Mit Termin ins Landratsamt

In vielen Bereichen des Landratsamtes Heilbronn ist es zur Erledigung der Anliegen im Normalfall nicht notwendig, dass Besucherinnen und Besucher persönlich im Landratsamt erscheinen. In den meisten Fällen können dringende Angelegenheiten telefonisch, postalisch oder per E-Mail mit den jeweiligen Ansprechpartnern geklärt werden. Sollte jedoch der persönliche Besuch im Landratsamt notwendig sein, besteht die Möglichkeit, einen Termin zu vereinbaren. Bitte informieren Sie sich hier über die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit den jeweiligen Bereichen.

Die Römer setzten den ersten „Geschichtspunkt“ Rund 300 Besucher bei der neuen Veranstaltungsreihe des Landkreises in der Stadthalle Neuenstadt

Einen gelungenen Auftakt hatte die neue Veranstaltungsreihe des Landkreises Heilbronn „Geschichtspunkte“ mit dem Thema „Die Römer im Landkreis Heilbronn“. Welche Anziehungskraft das Thema hat, zeigte die große Besucherzahl: Landrat Detlef Piepenburg und der Neuenstädter Bürgermeister Norbert Heuser begrüßten rund 300 Gäste in der Stadthalle Neuenstadt und freuten sich über das große Interesse an „unserer römischen Vergangenheit“. Die Römer erstanden nicht nur in den Vorträgen der Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege und des Limesinformationszentrums wieder zu neuem Leben, sondern auch bei der Besichtigung der Grabungsstätte in Bürg.

Start einer neuen Geschichtsreihe
„Mit dem heutigen Tag wollen wir etwas Neues beginnen. Wir wollen uns ab sofort auf einen Punkt unserer Geschichte fokussieren. Deshalb auch der neue Name „Geschichtspunkte Landkreis Heilbronn“, erklärte der Landrat und verwies darauf, dass die neue Reihe ihren Ursprung im „Tag der Heimatgeschichte“ hat, mit dem seit 2007 die Entstehung der Kreisbeschreibung für den Landkreis Heilbronn begleitet wurde. Er dankte Bürgermeister Heuser für die Ausrichtung der Veranstaltung und die Einladung zum Empfang mit großzügiger Bewirtung und Kreisarchivarin Petra Schön für die reibungslose Organisation.

Eine freundliche Stadt
Bürgermeister Heuser stellte Neuenstadt als freundliche, offene Stadt vor, die sich dem eine Zeitlang hier lebenden Dichter Eduard Mörike und dessen Gedicht „In ein freundliches Städtchen tret’ ich ein …“ verbunden fühlt.  Neuenstadt am Kocher ist nicht nur eine moderne, attraktive Wohngemeinde, sondern beeindruckt auch mit einem hochkarätigen Kulturangebot wie den Freilichtspielen im Schlossgraben oder den Veranstaltungen im Museum im Schafstall. Dank seines reichen römischen „Vorlebens“ bot sich  Neuenstadt als idealer Ort für die Auftaktveranstaltung der „Geschichtspunkte“ an.

Neue Erkenntnisse vom Neckarlimes
Überraschende Erkenntnisse über den Verlauf des Neckarlimes im Landkreis Heilbronn präsentierte Dr. Stephan Bender vom Limesinformationszentrum Aalen dem Publikum. Dank neuer Methoden, wie z. B. gezielten Befliegungen, einer Neubewertung früherer Funde und aktuellen Ausgrabungen, muss die Annahme, dass der Limes am Neckar bei Jagstfeld endete, korrigiert werden. Vieles spricht dafür, dass sich die Grenze östlich des Neckars möglicherweise bis Ludwigsburg erstreckte. Der Friedrichshaller Hans Riexinger, der ebenfalls unter den Gästen weilte, hat durch seine Lesefunde entscheidend zu diesen neuen Erkenntnissen beigetragen.

Römisches Leben in der Provinz
Zu einem Ausflug ins römische Leben in der Provinz entführte Dr. Andrea Neth vom Landesamt für Denkmalpflege Esslingen, vielen bekannt als langjährige Kreisarchäologin des Landkreises Heilbronn. Rund 200 römische Gutshöfe gab es im Stadt- und Landkreis Heilbronn. Gut erhaltene Beispiele finden sich in Lauffen und in Bad Rappenau-Babstadt. Die Höfe dienten der Versorgung der Truppen. Oft waren es ehemalige römische Legionssoldaten, die sich mit ihren Angehörigen in den eroberten Provinzen niederließen und das Land bewirtschafteten. Was auf den Feldern angebaut wurde, was die Menschen konsumierten und wie sie sich fortbewegten - Dr. Neth zeichnete ein anschauliches Bild vom Leben in der Kleinstadt (Vicus) und auf den Gutshöfen (Villae rusticae).

Apollo Grannus als Mittelpunkt der Römersiedlung
Ein bedeutendes religiöses und politisches Zentrum muss die Römerstadt auf der Gemarkung Neuenstadt-Bürg gewesen sein. Davon berichtete Dr. Klaus Kortüm, vom Landesamt für Denkmalpflege Esslingen, der die dortigen Ausgrabungen leitet. Wieder waren es Luftaufnahmen, die Aufschluss über das Ausmaß der Römersiedlung unter den Neuenstädter Äckern und Wiesen gaben. Seit 2003 wird dieses herausragende Bodendenkmal mit einer Größe von 25 bis 30 ha erforscht. Spektakulärster Fund bislang war die Entdeckung eines Tempels des keltisch-römischen Heilgottes Apollo Grannus, der im Zentrum der Stadt stand. Repräsentative Bauten lassen darauf schließen, dass Neuenstadt ein wichtiger Verwaltungssitz der Civitas Aurelia G war (der Name ist bislang nicht genauer bekannt), der regelmäßig vom Provinzstatthalter aufgesucht wurde.

Zahlreiche Besucher nutzten im Anschluss an die Vorträge die Gelegenheit, die Grabungsstätte in Bürg unter Führung von Dr. Kortüm zu besichtigen. Den kostenlosen Bustransfer hatte dankenswerter Weise das  Busunternehmen Ruoff übernommen.
 
Einen Eindruck von römischer Lebensart bekamen die Gäste auch beim Empfang der Stadt Neuenstadt. Die Gäste konnten sich u. a. mit Mostbrötchen und  Muslum – einem Gewürzwein - stärken nach Originalrezepten aus der Römerzeit.