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Kommunaler Klimaschutz: Städte und Gemeinden zukunftsfähig machen Einstiegsberatung wird seit Januar wieder gefördert

Klimaschutzkommunen können in ihren Liegenschaften viel Energie sparen.
Quelle: KEA

Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz der KEA informiert. Leingarten und Untereisesheim haben Einstiegsberatung erfolgreich genutzt.


Kommunaler Klimaschutz bringt Städte und Gemeinden voran und macht sie zukunftsfähig. Ein Einstieg zahlt sich derzeit besonders aus. Darauf weist das Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg hin. Seit 1. Januar fördert der Bund die Einstiegsberatung in den kommunalen Klimaschutz wieder mit bis zu 65 Pro-zent. Es lohnt sich, wie die Beispielkommunen Leingarten und Untereisesheim in Baden-Württemberg zeigen: Die Kommunen betreiben erfolgreich Klima-schutz und können viele Erfolge vorweisen; angefangen haben sie mit einer Einstiegsberatung.


Kommunaler Klimaschutz dient nicht nur der Umwelt. Klimaschutzkommunen treiben die Erneuerung der Infrastruktur bei Stromversorgung, Gebäuden und Verkehr voran, senken ihre Energiekosten, machen sich unabhängiger von Energieimporten und halten Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region. In Baden-Württemberg engagieren sich bereits viele Städte, Gemeinden und Landkreise auf diesem Gebiet: Über 200 sind dem Klimaschutzpakt zwischen dem Land und den kommunalen Landesverbänden beigetreten und möchten ihre Aktivitäten in diesem Bereich weiterentwickeln. Oft fehlt es aber dabei an einer systematischen Herangehensweise. So bleiben viele Potenziale zur Verminderung der CO2-Emissionen ungenutzt.


Kommunalen Klimaschutz einfach angehen


Wie Städte und Gemeinden Klimaschutz einfach und systematisch angehen können, zeigt das Programm „klimaimPuls BW“. Es basiert auf der Förderung des Bundesumweltministeriums für Einstiegsberatungen und flankiert diese durch weitere Maßnahmen. So erhalten die Kommunen fundierte fachliche Unterstützung bei geringem finanziellem Aufwand. „Im Zentrum steht die Be-ratung der Verwaltung und auch des Gemeinderates“, erklärt Harald Bieber, Leiter des Kompetenzzentrums Kommunaler Klimaschutz der KEA. „Ziel ist, dass die Kommunen jährliche Arbeitsprogramme für eine kontinuierliche Um-setzung von Klimaschutzmaßnahmen entwickeln.“


Die Beratungsleistung erbringen in erster Linie die regionalen Energieagentu-ren im Land, die hierfür eine spezielle Weiterbildung erhalten haben. Um die maßgeblichen Akteure einzubinden, sind mindestens fünf Workshops vor Ort vorgesehen. „In ihnen werden konkrete Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, vor allem in den Handlungsfeldern kommunale Liegenschaften, Energieerzeu-gung, Verkehrsentwicklung, Stadtplanung bzw. Siedlungsentwicklung, kom-munale Beschaffung sowie für die Öffentlichkeitsarbeit als wichtige Quer-schnittsaufgabe“, so Bieber.


Nach den Workshops legen die Beteiligten eine Reihe möglicher Maßnahmen fest, die in den folgenden Jahren umgesetzt werden sollen. Ein wichtiger Be-standteil der Beratung ist auch, wie die Klimaschutzaktivitäten in der Kommu-ne institutionell verankert werden können, welche organisatorischen Maß-nahmen dafür nötig sind und welche Förderprogramme in Anspruch genom-men werden können.
Eine Hürde, um in den gesamten Prozess einzusteigen, ist der Förderantrag beim Projektträger Jülich (PtJ). Nicht wenige Kommunen scheuen vor der vermeintlich komplizierten Antragsstellung zurück. Deshalb bietet das KEA-Kompetenzzentrum hierbei Unterstützung an. Wichtig: Ein Berater darf erst beauftragt werden, wenn der Bewilligungsbescheid vorliegt, sonst ist der An-spruch auf Förderung verwirkt.


Zwei Drittel Förderung


Die Einstiegsberatung wird vom Bundesumweltministerium mit bis zu 65 Pro-zent bezuschusst, der Aufwand eines externen Beraters darf bis zu 15 Ar-beitstage betragen. Somit verbleibt nur ein überschaubarer Kostenanteil von meist unter 4.000 Euro brutto bei der Kommune. Hinzu kommt der eigene Ar-beitsaufwand der Verwaltung. Erfahrungsgemäß sollte für den gesamten Pro-zess eine Laufzeit von ungefähr einem Jahr veranschlagt werden.


Nach der Einstiegsberatung stehen der Kommune verschiedene Wege offen: So kann sie in eigener Regie die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen angehen und sich bei Bedarf externe Unterstützung dazu holen. Sie kann sich aber auch für die Erstellung eines umfassenden, integrierten Klimaschutzkon-zepts entscheiden oder den European Energy Award (eea) als Klimaschutz-management-Werkzeug nutzen. Die Einstiegsberatung zeigt auch diese ver-schiedenen Möglichkeiten und Fördertöpfe auf.


Kluge Kommunen machen es vor


Nach diesem Muster vorgegangen sind die Gemeinden Leingarten und Un-tereisesheim. Sie stehen für eine Reihe von Kommunen, die mit der Ein-stiegsberatung begonnen haben und nun erfolgreich Klimaschutz betreiben. „Die Einstiegsberatung war der Impuls, uns intensiv mit der Verbrauchsstruk-tur unserer Einrichtungen zu beschäftigen“, sagt Ralf Steinbrenner, Bürger-meister der Gemeinde Leingarten. „Sowohl die gemeindeeigenen Liegen-schaften als auch das Nutzerverhalten standen hierbei im Fokus. Betrachtet man zusätzlich die möglichen Einsparungen bei Gewerbe und Privathaushal-ten, ergibt sich hieraus ein gewaltiges Energie- und Kosteneinsparpotenzial im Ort. Es lohnt sich also auf jeden Fall, die Einstiegsberatung zu nutzen, und sei es nur, um eine höhere Sensibilität für die Thematik Energieverbrauch zu er-zeugen.“


Im Klimaschutzkonzept der Gemeinde stehen 34 Maßnahmen, die bereits angegangen wurden oder demnächst begonnen werden. Die Maßnahmen der Kommune betreffen die eigenen Liegenschaften aber auch unter anderem den privaten Gebäudebestand, den Verkehrssektor sowie die betriebliche Ener-gieeffizienz.


Auch Bernd Bordon, Bürgermeister in Untereisesheim, sieht in der Einstiegbe-ratung eine große Hilfe: „Klimaschutz fängt in erster Linie in den Kommunen an. Durch die Einstiegsberatung kommunaler Klimaschutz wurden zunächst unsere bisherigen einzelnen Klimaschutzmaßnahmen wie zum Beispiel die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED untersucht und in einen Gesamt-kontext eingeordnet. Darüber hinaus haben wir weitere Maßnahmen wie zum Beispiel die Optimierung des Energiemanagements der kommunalen Liegen-schaften herausgearbeitet sowie priorisiert. Diese Maßnahmen werden wir in Zukunft kontinuierlich umsetzen.“


Informationen und Beratung für Kommunen
Das Bundesumweltministerium fördert die Einstiegsberatung mit der „Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen“, kurz: Kom-munalrichtlinie. Auch für Klimaschutzkonzepte, Klimaschutzteilkonzepte, Energiesparmodelle an Schulen und in Kitas, investive Maßnahmen sowie die Beschäftigung von Klimaschutzma-nagern/innen gibt es Geld. Anträge können von 1. Januar bis 31. März 2018 und von 1. Juli bis 30. September 2018 gestellt werden. Für einige Förderschwerpunkte, wie die Schaffung einer Stelle für Klimaschutzmanagement oder die Förderung von Energiesparmodellen an Schulen und Kindertagesstätten, ist die Antragstellung sogar ganzjährig möglich.


Details zu den einzelnen Fördermöglichkeiten stehen auf der Seite www.klimaschutz.de/kommunalrichtlinie. Das Merkblatt Einstiegsberatung kommunaler Klima-schutz informiert über Inhalte und Bedingungen des Förderprogramms: www.klimaschutz.de/sites/default/files/KRL_MB_Einstiegsberatung_kommunaler_Klimaschutz_2017Juli.pdf.


Das Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz der KEA unterstützt Kommunen in Baden-Württemberg bei der Erstellung des Förderantrags. Informationen zum Programm „klimaimPuls BW“ und weitere aktuelle Angebote: www.energiekompetenz-bw.de/kommunaler-klimaschutz oder 0721 98471-920. Die Experten bieten kostenfreie Erstinformationen und beraten interes-senneutral und unabhängig. Dabei greifen sie auf eine langjährige Erfahrung bei integrierten Klimaschutzkonzepten, Einstiegsberatungen, Quartierskonzepten, energetischer Sanierung von öffentlichen Gebäuden, Wärmenetzten, und Energie- und CO2-Bilanzen zurück. Eine Vielzahl von Kommunen hat das Know-how in den vergangenen Jahren genutzt.