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Fachkongress Nahwärme in Kupferzell war voller Erfolg – Auftaktveranstaltung für regionale Zusammenarbeit

Kupferzell: „Die Wärmewende ist entscheidend“, das ist das Fazit des Fachkongresses Nahwärme, der kurz vor Ostern in Kupferzell (Hohenlohekreis) stattfand. Rund 150 Teilnehmer waren der Einladung der vier Landräte Detlef Piepenburg (Landkreis Heilbronn), Dr. Matthias Neth (Hohenlohekreis), Reinhard Frank (Main-Tauber-Kreis) und Gerhard Bauer (Landkreis Schwäbisch-Hall) gefolgt. Mit dabei war auch der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller. Die vier Landkreise haben sich im Rahmen eines regionalen Förderprogrammes zu einer Initiative zum Aufbau von Nahwärmenetzen zusammengeschlossen. Aufgrund der hohen Anmeldezahlen musste der Veranstaltungsort kurzerhand von der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in die Carl-Julius-Weber-Halle der Gemeinde verlegt werden.

Neben zahlreichen Bürgermeistern, Kreis- und Gemeinderäten aus der Region Heilbronn-Franken konnte der Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth auch eine ganze Reihe namhafter Referenten begrüßen. „Wir Landkreise haben uns auf die Fahnen geschrieben, die Wärmewende in unserer Region voranzutreiben“ so Neth. Die große Resonanz unter den kommunalen Entscheidungsträgern zeige, dass das Thema erneuerbare Wärmeenergie in den Köpfen angekommen ist. Gerade Städte und Gemeinden haben viele Möglichkeiten, die Wärmewende vor Ort aktiv zu gestalten. Alleine im Hohenlohekreis sind in den letzten Jahren schon drei sogenannte Bioenergiedörfer entstanden.

Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Initiative der vier Landkreise und hat sie daher in das breit angelegte Förderprogramm „Energieeffiziente Wärmenetze“ aufgenommen. Umweltminister Franz Untersteller unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung von Nahwärmenetzen. Diese ermöglichten es, erneuerbare Energien, hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärme in Einklang zu bringen und möglichst effizient zu nutzen. Daher stelle das Land den vier Landkreisen zum Aufbau von Netzstrukturen und für Informations- und Wissensvermittlung in den nächsten Jahren finanzielle Mittel zur Verfügung.

Auf steigende Energiekosten gebe es nur eine Antwort: „Energie effizient nutzen, Energie sparen und Erneuerbare Energien zielgerichtet einsetzen“, so der Geschäftsführer der Energieagentur Main-Tauber-Kreis Frank Künzig, der die neue regionale Zusammenarbeit und die spezifische Förderkulisse auf dem Kongress in Kupferzell vorstellte. Demnach bieten sich Kommunen, Initiativen und Einzelpersonen, die sich mit den Überlegungen zu einem Wärmenetz befassen, finanzielle Optionen bereits im Vorfeld der konkreten Planung. Für Infoveranstaltungen und Informationsfahrten, aber auch für Potenzialuntersuchungen und Machbarkeitsstudien sind sie aufgerufen, auf die jeweiligen Energieagenturen bzw. Klimaschutzstellen ihres Kreises zuzugehen und hier die mögliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Organisation und Abwicklung der möglichen finanziellen Förderung erfolgen dann einfach und unbürokratisch über diese Stellen.

Rund zwei Drittel der in Deutschland benötigten Energie ist Wärmeenergie. Der Aufbau einer erneuerbaren Wärmeversorgung, in Kombination mit Energieeinsparungs- und Energieeffizienzmaßnahmen, ist daher der entscheidende Baustein einer erfolgreichen Energiewende. Wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen, muss in Zukunft mehr Wärme aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Dabei ist das Potenzial der regenerativen Energien gerade im Wärmebereich besonders groß. Alleine in Baden-Württemberg existieren rund 800 Biogasanlagen und 50 Holzkraftwerke. Die meisten dieser Anlagen verfügen über kein sinnvolles Wärmekonzept.

Die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Wärmeenergie kann erhebliche ökologische und ökonomische Vorteile bringen. Bene Müller, Vorstandsmitglied des Singener Bürgerunternehmens Solarcomplex, das sich seit rund 15 Jahren in Sachen Energiewende engagiert, plädierte für den Umbau der Energiewirtschaft hin zu heimischen, erneuerbaren Energien. Am Beispiel der Region Bodensee verdeutlichte Müller wie durch dezentrale Versorgungsstrukturen regionalwirtschaftliche Vorteile erzielt werden können. Über 100 Millionen Euro konnte die Solarcomplex AG, ein laut Müller „regeneratives Stadtwerk in breitem Streubesitz" bereits in nachhaltige Projekte investieren. Geld, das nicht für fossile Energien ins Ausland abfließt und Solarcomplex zur zentralen Kraft beim Ausbau erneuerbarer Energien im Süden Baden-Württembergs macht.

Besonders im Fokus des Fachkongresses Nahwärme stand die Einbindung von großen solarthermischen Anlagen in Wärmenetze. So liege der Ertrag von Solarkollektoren auf 1 Hektar bei 1,2 Mio kWh, der Zuwachs je Hektar Wald allerdings nur bei rund 20.000 kWh. Dieses enorme Potenzial soll künftig auch in der Region genutzt werden. So wurden in Kupferzell Beispiele aus Süddeutschland, aber auch aus Dänemark aufgezeigt, die schon erfolgreich Solarthermie als Energiequelle nutzen. 

Ganz praktische Einblicke in die Leistungsfähigkeit moderner Wärmeleitungen lieferte eine Ausstellung im Foyer der Carl-Julius-Weber-Halle. Durch die Flexibilität moderner Leitungen können beim Verlegen verschiedene Methoden angewendet werden. Ein aufwendiges Verlegen durch umfangreiche Grabarbeiten ist, je nach Projekt, durch moderne Einpflüg- oder Spülbohrverfahren überflüssig und deutlich schneller und effizienter als bisher zu erledigen.

Der Fachkongress Nahwärme lieferte überzeugende Argumente für den Einsatz von erneuerbarer Wärmetechnologie. Die Notwendigkeit der Umstellung ist unbestritten. Mehr und mehr Städte und Gemeinden entscheiden sich deshalb für eine eigene, zukunftssichere, kommunale Energieversorgung. „Gerade den Kommunen kommt hier eine Schlüsselfunktion zu. Mit Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und einer verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien nehmen sie eine Vorbildfunktion ein" unterstrich Dr. Wolfgang Eißen, Dezernent für den Ländlichen Raum im Hohenlohekreis in seiner Zusammenfassung. Ziel ist es, die Region auf erneuerbare Energien umzustellen. Dem Thema erneuerbare Wärmeenergie könne sich heute keine Kommune mehr verschließen. Die Realisierung von Wärmenetzen setzt Engagement und Motivation vieler verschiedener Akteure voraus. Nur so kann die entscheidende Wärmewende gelingen.