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Kunst macht Mut „Projekt Kreativ“ des Jobcenters Landkreis Heilbronn und des Kolping-Bildungszentrums für Langzeitarbeitslose


Schon die Einladung zur Vernissage hat Ottmar Wörz, Geschäftsführer des Jobcenters im Landkreis Heilbronn, aufmerken lassen: In gelb und rot springen die Worte „Inspiration zulassen“ ins Auge. Auf den Gängen in vier Stockwerken des Neckarturms und in einem Wartezimmer setzen sich die Farben-Erlebnisse fort: Eine Auswahl ihrer Werke haben die Teilnehmer des Projekts Kreativ in die Räume des Jobcenters gehängt. Es sind Ergebnisse dreiwöchiger intensiver Arbeit, bei der es darum ging, hoch qualifizierte, aber introvertierte und entmutigte Langzeitarbeitslose auf Bewerbungsverfahren vorzubereiten.

„Diese Menschen tun sich schwer zu vermitteln, was sie können“, weiß Wörz – obwohl sie zum Teil Akademiker sind. „Es geht in erster Linie darum, Selbstvertrauen zu stärken“, sagt Peter Baust vom Kolping-Bildungszentrum, der immer wieder erlebt, wie künstlerisches Arbeiten hilft, sich zu öffnen und sich selbst positiv wahrzunehmen.

Schon vor fünf Jahren hatte das Bildungszentrum gemeinsam mit der Agentur für Arbeit ein vergleichbares Projekt durchgeführt, damals für Jugendliche, die dort lernten, in geregelten Abläufen zu arbeiten.

Der Gruppe, die die Sozialpädagogin und Therapeutin Monika Heck-Hother, der Maler Udo Großklaus und der Grafiker und Kulturagent Diethelm Wonner jetzt unter ihre Fittiche nahmen, habe „mit großer Ernsthaftigkeit und Schaffenskraft“ an sich gearbeitet, zeigte sich Baust bei der Vernissage im Neckarturm beeindruckt. Was im Kunst- und Kulturwerkhaus Zigarre an Bildern und Holzskulpturen entstand, zeuge von „menschlicher und künstlerischer Tiefe.“ Eine wichtige Erfahrung, die Großklaus vermitteln wollte, hätten alle gemacht: Es ist bereichernd, verschiedene Standpunkte einzunehmen und Veränderungen zuzulassen. „Alle haben einen wichtigen Schritt gemacht“, sagt der Künstler, der die Gruppe an einem Tag in sein Bad Rappenauer Atelier Bikini-Atoll eingeladen hatte oder bei einem Ausflug nach Stuttgart einen Besuch in der Staatsgalerie begleitete. Beim Austauschen der alten Bilder im Warteraum des Jobcenters zum Beispiel sei klar geworden, dass das, was sich bei jedem Einzelnen im Inneren vollzogen habe, durch die kräftigen Farben der neuen Werke nach außen wirke – einnbsp; bestätigendes, positives Erlebnis für die 25 bis 40-Jährigen, die vor dem Kurs ihr Licht eher unter den Scheffel stellten.

Die Präsentation, mit der die Gruppe die Ausstellung eröffnete, ging unter die Haut: Im Kreis stehend, einander zugewandt, entfalteten die Teilnehmer und ihre Dozenten in rhythmischem Sprechgesang, womit sie sich beschäftigt hatten: „Ideen. Weitergehen. Was ist das Wesentliche? Bewegung und Wandel. Land in Sicht. Diese und andere Begriffe verbanden sich zu einem Klangbild, das die Vernissage-Gäste Aufbruchstimmung spüren ließ. „Ich bin begeistert, wie man auf künstlerischem Wege die Menschen stärken kann“, freute sich Wörz beim Rundgang durch die Ausstellung mit Ganzkörperbildern, Reihen wie die Serie „Lebenswege“, die aus einem fünf mal eineinhalb Meter großen Gemeinschaftswerk entstanden ist oder Schriftgrafiken, in denen Wortbilder sprechen. Für das Reden über das im Kurs Erlebte war Monika Heck-Hother zuständig, erzählt Teilnehmerin Angela, für alles Gestalterische die beiden Männer: Sie habe jetzt „mehr Lebensmut“, sagt die 33-Jährige, eine positivere Einstellung zu sich selber, die Erfahrung eines fordernden, aber schönen Miteinanders: „Toll, dass das Arbeitsamt so etwas macht.“ kbw