Wachsende Aufgaben und steigende Kosten auf der einen, ein immer enger werdender finanzieller Spielraum auf der anderen Seite – der Landkreis Heilbronn hat auch im Haushaltsjahr 2027 einen schwierigen Spagat zu bewältigen. Das geht aus dem Etatentwurf hervor, den die Landkreisverwaltung am Montag, 19. Oktober, in der Gundelsheimer Deutschmeisterhalle dem Kreistag zur Beratung vorgestellt hat.
Unterm Strich steht demnach beim ordentlichen Ergebnis ein Minus von gut 5,5 Millionen Euro. Aufwendungen in Höhe von knapp 550,8 Millionen Euro stehen Erträge von 545,3 Millionen Euro gegenüber. „Der Kurs ist eindeutig“, betont Landrat Norbert Heuser: „Wir müssen weiterhin konsequent sparen – und das möglichst ohne Abstriche bei der Qualität unserer Aufgabenerfüllung.“ Die Bürgerinnen und Bürger erwarteten auch in finanziell schwierigen Zeiten eine leistungsfähige, verlässliche und serviceorientierte Kreisverwaltung. Denn, so Heuser weiter, „kommunale Handlungsfähigkeit ist essenziell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Kreisumlage soll um zwei Prozentpunkte angehoben werden
Angesichts weiter steigender Aufwendungen – insbesondere im Bereich Soziales und Jugend – muss die Verwaltung die Erträge entsprechend anpassen. Im Sinne einer sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung wurden im Rahmen der Haushaltsplanerstellung zwar weitere Konsolidierungsmaßnahmen identifiziert und umgesetzt, etwa im Bereich der Personalplanung und durch Prozessoptimierungen, diese reichten jedoch nicht aus, um die Steigerungsraten auszugleichen. Bei einem gleichbleibenden Hebesatz der Kreisumlage würde sich der Fehlbetrag auf fast 30 Millionen Euro belaufen.
Unter Berücksichtigung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommunen schlägt die Verwaltung daher vor, den Kreisumlagehebesatz um zwei Prozentpunkte auf 32 zu erhöhen. Damit trägt die Verwaltung der Vorgabe aus dem Haushaltserlass des Regierungspräsidiums Rechnung, alle Erträge und Einzahlungen angemessen auszuschöpfen. Die gesetzliche Vorgabe jedoch, grundsätzlich einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen, wird trotzdem abermals nicht erreicht.
Erneute Kreditaufnahme nötig
Für 2027 ist eine Kreditaufnahme über 25 Millionen Euro vorgesehen. Der Schuldenstand beträgt zum 31. Dezember 2027 voraussichtlich rund 47,5 Millionen Euro. Der Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Heilbronn (AWB) hat keine Schulden. Sehr erfreulich ist, dass für das kommende Jahr keine Erhöhung der Abfallgebühren vorgesehen ist.
Investition in die Bildung
Investieren wird der Kreis 2027 vor allem in die in seiner Trägerschaft liegenden Schulen. Insbesondere in die Kaywaldschule Lauffen, die Christian-Schmidt-Schule Neckarsulm und den Neubau des Kreisberufs-schulzentrums in Heilbronn sollen insgesamt knapp 13 Millionen Euro fließen. Perspektivisch will der Landkreis insgesamt rund 200 Millionen Euro für das neue Berufsschulzentrum in die Hand nehmen, das im Heilbronner Stadtteil Böckingen entstehen soll. „Das ist dann die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Landkreises“, unterstreicht Landrat Heuser den hohen Stellenwert dieses Projekts.
Für die Sanierung und den Bau von Kreisstraßen einschließlich Radwege sind weitere 9,5 Millionen Euro in den Haushaltsentwurf eingestellt. 4,7 Millionen Euro sind für Investitionen an die SLK-Kliniken Heilbronn vorgesehen.
Aber auch in die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger investiert der Landkreis weiterhin: 2,1 Millionen Euro sollen 2027 in den Brand- und Katastrophenschutz fließen.
Die Verabschiedung des Zahlenwerks ist in der Kreistagssitzung am Montag, 7. Dezember 2026, vorgesehen.